Late Summer in Croatia

Micha schreibt.
Zum ersten Mal nach meinen Mexikanischen Erfahrungsberichten habe ich mir wieder einen langen Moment Zeit genommen um alltägliche verrückte Reiseerlebnisse niederzuschreiben und hier mit Euch zu teilen. Seit Februar bin ich unterwegs und habe meist auf Facebook oder mit manchen Freunden leider gar keinen Kontakt nach Haus gepflegt. Das soll sich jetzt ändern. In den folgenden Zeilen könnt ihr einen kleinen Eindruck bekommen, wie meine vergangenen 6 Tage! (von den davor geschehenen 5 Reisemonaten ganz zu schweigen) grob aussah.
Ich freue mich Euch hiermit ein Lebenszeichen von mir zu geben und hoffentlich ein paar Fragen wie ‘Wo bist du gerade? Wie war es in jedem Ort?’ zu beantworten. Offensichtlich ist: wer viel Zeit hinterm Computer verbringt verkürzt seine Erlebnisse im ‘offline-Leben’. Dennoch ist es wunderschön den Kontakt mit den Allerliebsten nicht zu verlieren. Darum präsentiere ich Euch hier ein paar Gute Nacht Geschichten:

Viel Spaß beim Lesen.

DEUTSCHLAND

24th july
“UND TSCHÜSS GELIEBTES BERLIN.” DIE LETZTEN MOMENTE VOR DEM ABFLUG”

Nur noch eine Stunde bis ich vom Haus meiner Eltern zu meiner Schwester Andrea muss und sie mich von dort netterweise zum Flughafen bringt. Eine kurze Stunde um zwei riesigen UmzugsPappKisten mit Kleidung/Schuhen (in allen Farben für die verschiedensten Funktionen und Jahreszeiten), Kletterzeug der letzten 13 Jahre!!, Hygieneprodukte (vom kleinen nützlichen Hotelshampoodöschen über die große family-Mückenspreedose bishin zur luxuriösen 300ml ApèsSunLotionflasche) als auch etliche teils- oder ungelesene interessante und strengstens empfohlene Zeitschriften + Bücher. WAS ZUR HÖLLE nehme ich auf eine Weltreise auf unbestimmte Zeit mit?! Zur Verfügung steht mir der kleine rote 30L daypack und ein 70 L Reiserucksack. Ja, ich habe mich dafür entschieden dem pinken! 25-Jahre-alten, zerzausten Salewa Rucksack ‘adé’ zu sagen und vorerst in Berlin zu lassen. Gott sei dank habe ich schon reichlich Reiseerfahrung gesammelt und weiß, dass man ohne Probleme mit 3 bis maximal 5 T- Shirts auskommt und wenn nötig statt Quietscheentchen die getragene Unterwäsche gleich bei der nächsten Dusche mit in die Badewanne nimmt. Also ist der Auftrag: Nur die absoluten Lieblingsklamotten auswählen. Auch ein Hemd und eine Hose ohne Löcher kann nicht schaden, falls man unerwartet auf eine Yacht zum Dinieren eingeladen wird. ‘Who knows . . .’
Ein flüchtiger Blick auf die Uhr. Noch 10 Minuten. “WAS!! Wo sind denn die letzten 50-Minuten hin?!” Kluge Sprüche wie “weniger ist mehr” oder “zur Not kannst du dir ja sicher noch günstig etwas nachkaufen” scheinen mich im Packprozess nicht zu beeindrucken. Wie erwartet sprinte ich etwas verspätet mit einem randvollen (Ausrufezeichen) Rucksack, nem letzten kühlen Bier im zusätzlichen Beutel und einem Bio-Apfel in der Schnute aus dem Elternhaus.
Schon mit den Gedanken “Last Call for Pasenger Michael Schreiber, please proceed immediately to gate 48!” flitzt meine Schwester zum Flughafen während ich auf der Rückbank das Mittagessen aus der Tupperware verzehre, welches wir eigentlich noch gemeinsam gemütlich am Tisch genießen wollten. Um so leichter und ohne Tränen fiel der schnelle Abschied.
“Hals & Beinbruch. Pass auf dich auf. Viel Spaß. Komm gesund wieder. Und Immer schön verhüten.”, wurde mir noch gewünscht. Ich versprach all das zu tun. Mein größter Abschiedswunsch und gleichzeitig mein inneres präventives
Versprechen verantwortlich zu reisen und keinen gefährlich Blödsinn zu treiben war:
“Wir sehen uns wieder!”

OFF I GO!
Im Flug schießen mir tausend Sachen durch den Kopf:
Boah! Du hast diesen Flug doch noch rechtzeitig geschafft.
War das ein geiler Juli! In kurzer Zeit habe ich einiges erledigt vor allem meine Partydosis auf 100% aufgeladen. Noch gern hätte ich mehreren Freunden einen Besuch erstattet. Alles schien so knapp und Zeit verflog im Nu.
Ehrliche Frage an mich selbst: “Wann planst DU eigentlich wiederzukommen?” Mein Gewissen sagt mir: “Es macht gerade wirklich keinen Sinn einen Monat oder eine Jahreszeit in 2014/2015 festzulegen.” Wirklich, es tut mir leid das so sagen zu müssen liebe Familie und Freunde die gern eine konkrete Antwort hören möchten. Ich tauche wieder in Berlin auf, wenn ich es vor Sehnsucht nicht mehr aushalte. Eine Variante wäre auch, dass einer von Euch Lesern heiratet und mich unbedingt bei der Hochzeit dabei haben will 😉

Ha, wartend in der Easyjet Schlange lerne ich Lara kennen. Sie ist topp gestylt: modisch passt alles von Kopf bis Fuß zusammen, mit Make-Up hat sie ihr Gesicht quasi gephotoshopped, die langen Haare waren perfekt geglättet als gäbe es im Flughafen Schönefeld einen Frisörsalon und das alles wurde mit einer Perfümwolke umhüllt. Sie hatte fast Tränen in den Augen. Ich frage sie was los sei. “Eh, so ne Scheiße, ich habe mir gerade auf der Toilette meinen Haare geglättet (ich hatte recht!) mit meinem neuen Haarglätter und weil ich so krass spät dran war hab ich den vergessen. Nach einer Minute ist es mir aufgefallen und als ich zurück bin, war er nich mehr da. Die blöde Klofrau hat ihn geklaut, ich bin mir sicher!” Wow, krasse Story denke ich mir. Innerlich muss ich lachen. Mir könnte das nicht so leicht passieren und dazu wäre ich weit davon entfernt deswegen Tränen in den Augen zu bekommen. “Der hat 200 Euro gekostet!”, sagt Tara hinterher. Oh man, da hätte ich vielleicht doch geweint. Ich zeige ihr vollstes Verständnis und beginne mit ihr ein ablenkendes Gespräch über Kroatien. Unser gemeinsames Tagesziel und der Beginn meiner bisher längsten Reise.

KROATIEN
“Sonne pur, Kristallklares Wasser, ein Segel-Törn, good-company”

Croatia July 2013

Mimi, unsere ehemalige Mitbewohnerin und damit Gewinnerin eines weiteren Kreuzberger Yorckstraßen-Wg-Castings (>100 Interessenten, sprich sie ist schwer in Ordnung) hat mich zum Segelturn nach Kroatien eingeladen. Wir sind am nächsten Tag im Örtchen ‘Primosten’ verabredet. Meine Eselsbrücke zu diesem Namen liegt auf der Hand: Prima Osten.
Etwa 20 Uhr komme ich am tropisch-warmen Flughafen von Split an. Es wird dunkel und ich habe mich in all der Hektik und Aufregung in Berlin nicht um eine Übernachtung gekümmert. Am Info-Schalter bekomme ich extrem kurze und unfreundliche Antworten. Was fällt mir auch ein gerade dort nach Unterkünften zu fragen. An der Bushaltestelle sagt mir ein Kroate, dass heute ein Feiertag ist. “Party on the Beach! Komm mit, dort findest du schon etwas.” Und ob.
Was für eine Enttäuschung. Nach mehreren Wochen weltklasse DJ-Sets und Partyszene in und um Berlin bin ich von der Family-Badeort-Party mächtig schockiert. Oh mein Gott, wie soll ich jemals wieder so viel Spaß haben und Gleichgesinnte finden, die wissen was qualitative Musik ist. ‘Mambo No. 5’ und ‘Madonnas Martirial Girl’ verderben mir die Laune und ich möchte nur noch ein ruhiges Plätzchen finden. Ich spreche die einzigen alternativen Locals und frage nach sie um Rat. “Hey my friend, komm mit. Wir fahren mit meinem Auto zu einem Jazz – Funk Festival und campen danach an einem schönen abgelegen Strand. Unterm klaren Sternenhimmel flitzen wir gekleidet wie Adam und Eva ins seichte mondscheinbedeckte Wasser. Das Leben kann so schön sein!

Ziemlich genau 24 Stunden Später liege ich mit Mimi und ihrer New Yorker Freundin Tara im Hafen von Primosten auf einer 15m langen Luxus-Edelholz-Yacht. Die beiden sind die vergangene Woche zu viert mit dem Brandenburgischen Rentnerpärchen Wolfgang und Urse darauf vor der kroatischen Küste rumgeschippert. Weit über deren Budget zahlen sie 100€/Tag während ich für die eine Nacht lediglich ein paar Bier ausm Konsum für die Besitzer mitbringen soll. Lucky Mike, wie schaffst du das immer?

Mimi, Tara und Icke haben von fortan drei Tage auf der Insel Hvar geplant. Nach den teuren Nächten auf dem Segelboot ist gleich die Folgenacht kostenlos und nur 3 min vom großen Hafen entfernt. Wir finden eine Ebene Fläche unter einem Baum um das himmlische Moskitonetz zu spannen. Das Problem: EINE Isomatte und EIN Schlafsack für 3 Leute. Die Lösung: wir leeren unsere Rucksäcke aus, legen die Kleidungsstücke übereinander und formen sie zu einem Queensize-Bett. Die Isomatte kommt quer unter alle drei Allerwertesten und wir kuscheln bedeckt vom ausgeweiteten Schlafsack. Wir sind stolz und schlafen fast deluxe.
PAAAA! Werde ich morgens aus dem Schlaf gerissen. Was war das? Beim Umdrehen habe ich mich mit dem Hals auf eine Wespe, die außen am Netz hang, gelegt und sie zerquetscht. “Guten Morgen!” sagt die immer gut gelaunte Mimi. “Wenigstens bist du jetzt richtig wach ;)”. Ich binde mir eine halbe Zwiebel mit einem Schal bei 30° um den Hals und habe dadurch keine Schwellung. Alter Haushaltstrick.

20km südlich haben wir uns wenig später in der Stadt Hvar ein Apartment gemietet. Wir wollten unbeschwert die großen Rucksäcke lassen und statt des T-Shirt-betts heute ein Federkernbett genießen. Der Plan, wie immer, baden gehen. Mein Vorschlag, wir besuchen den DeepWaterSolo Spot (Klettern an Klippen überm Meer). 17km  östlich. Doch wieder wurde daraus ein Abenteuer für das ich die Outdoor-chicas überreden konnte. Alle Locals meinten, dass wir da nie ohne Mietwagen ankommen und selbst damit auf der dirt-road nur mit einem Geländewagen voran kommen. Scheiße. Denn schon ein mickriger Fiat Panda kostet schlappe 70€/Tag! Ungalublich. Doch der Ort soll es wert sein. Wir beschmieren uns mit Sonnencreme, packen Wasser ein und probieren die 10Km bis zur Kreuzung, an der die Offroad-Piste beginnt, zu trampen. Nach 20 Minuten Daumen hochhalten nimmt uns ein Einheimischer mit. Wir quatschen nett mit Händen und Füßen auf Kroatenglisch, sodass er uns sogar über sein persönliches Ziel bis an diese besagte Kreuzung bringt. Glücklich bedanken wir uns mit “Hvala lepa!” ohne zu ahnen, dass die kommenden 7Km Fußmarsch verdammt hart sind. Zwei Stunden laufen wir scheinbar endlos in der Mittagshitze (>weit über 30° im Schatten!) um diese blöde Klippe zu finden. Die Straße ist zu hoch um vorher ins Meer zu gehen und bis zum ersten schattenspendenden Baum dauert es 90 Minuten. Ehrlich und vom ganzen Herzen lobe ich Mimi und Tara, wie cool sie sind so etwas mitzumachen. Es motiviert sie so sehr, sodass keinerlei Nörgelstimmung entsteht. Was dann folgt ist ein Traum. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto mehr finden wir Bauerngärten an denen wir reife Tomaten, erfrischende Weintrauben, süße Feigen, spritzige Limetten, duftenden Lavendel/Pfefferminze und Rosmarin von den Sträuchern bzw. Bäumen naschen. Dann findet Mimi einen Gartenschlauch, der von kühlem Brunnenwasser gespeist wird. Eine feuchtfröhliche Wasserparty lässt alle Strapazen vergessen! Voller Energie starten wir in die letzte Etape. 10 min am Ufer über Steine entlang, dort muss es sein. Wir trauen unseren Augen kaum als wir auf ein KOMPLETT ausgestattetes Kletter-Paradies treffen! Es ist unfassbar. Ein 2-stöckiges Haus mit Schlafplätzen, Hängematten, 2 Küchen, Dusche, Toilette und pipapo unter einem 200m breiten und bis zu 50m hohen komplett eingebohrten Klettergarten! Rechts davon die Klippen überm seichten Meer. Ein Traum! Der Slowakische Besitzer und Initiator Mirow hat vor einigen Jahren dieses Potenzial entdeckt und das Stück Land samt der orange-roten Kalkfelswände und kleinem Strand günstig nach dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien gekauft. Einzig und allein per Boot hat er alles nötige herangeschafft und ausgebaut. Hier wollen wir bleiben! Doch unsere Rucksacke liegen in der bereits bezahlten Herberge in der Inselhaupstadt Hvar WEIT (Ausrufezeichen) entfernt. Doch wieder hat das Glück seine Hand im Spiel. “Die Welt ist klein” und die Bekanntschaften in der Kletterszene noch viel kleiner. Ich spreche ein kletterndes Schweizer Pärchen an, die Kleidungsstücke tragen, die ein Kumpel von mir in Spanien schneidert. Es stellt sich heraus, dass sie ‘Manu’ auch näher kennen und prompt sind wir in einem langen Gespräch vertieft. On top haben die Beiden ein Auto im Nachbardorf und bieten uns an mit großen Umweg quer über die Insel uns heut zum Apartment zurück zu fahren und am nächsten Tag mit Gepäck wieder abzuholen. Jackpot! Daraufhin lade ich sie sowie die tapfere Mimi & Tara, die sich selbst kaum ein idyllischeres Plätzchen für den Urlaub vorstellen können, für ihren großen Einsatz auf Freibiere ein. Es vergehen drei perfekte Tage. Mir gelingen im Staunen der Anwesenden alle Routen bis 7c onsight. Nachts schwimmen wir nackt durch hell-funkelndes Plankton und freuen uns wie kleine Kinder bei einer Neuentdeckung in dieser großen weiten Welt. Tagsüber schnorcheln im glasklaren Wasser, schwingen zu Reggae Musik, chillen, essen Früchte und Obst direkt vom Strauch und und und. Der Name des Camps ist Programm: ‘Cliffbase Paradise’.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: